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Kompassfehler beim Magnetkompass

Stand: Quellen geprüft am 3. November 2026

Kurz gesagt

Der Magnetkompass zeigt in Kurven und beim Beschleunigen falsch an, weil sich die Feldlinien des Erdmagnetfelds gegen die Erdoberfläche neigen (Inklination). Bei Kurven nach Norden beendest du die Kurve vor dem Kurs, bei Kurven nach Süden lässt du die Kompassanzeige über den Kurs hinauslaufen, als Faustregel um 15° plus die halbe geografische Breite. Beim Beschleunigen auf Ost- oder Westkurs zeigt er eine Drehung nach Norden, beim Verzögern nach Süden.

Der Magnetkompass ist das einfachste Instrument auf der Instrumententafel, unterliegt aber mehreren Fehlern, die du beachten musst. Zuerst kommen die beiden Korrekturen, die du ausrechnest: Missweisung und Ablenkung. Danach folgen Kurvenfehler und Beschleunigungsfehler.

Zwei Korrekturen: Missweisung und Ablenkung

Missweisung

Der Unterschied zwischen wahrer und magnetischer Richtung heißt Missweisung (englisch variation). Linien gleicher Missweisung heißen Isogonen. Die Missweisung ändert sich nicht mit dem Kurs deines Flugzeugs.

Das FAA-Handbuch rechnet zwei Fälle vor. Bei 10° West addierst du die Missweisung zum wahren Kurs: Aus 180° werden 190°. Bei 14° Ost ziehst du sie ab: Aus 180° werden 166°.

Ablenkung

Magnetfelder im Flugzeug lenken den Kompass ab. Diesen Fehler nennt man Ablenkung (deviation). Ursachen sind zum Beispiel fließender Strom und magnetisierte Teile. Die Ablenkung hängt vom Kurs des Flugzeugs ab, nicht vom Ort.

Ein Wartungstechniker verkleinert die Ablenkung, indem er den Kompass kompensiert (englisch compass swing). Den Rest trägt er in eine Kompasstafel ein, die in einem Halter nahe beim Kompass steckt. Du fliegst nach den Werten dieser Tafel.

Vom wahren Kurs zum Kompasskurs

Du rechnest in zwei Schritten. Wahrer Kurs plus oder minus Missweisung ergibt den missweisenden Kurs (magnetic course). Missweisender Kurs plus oder minus Ablenkung ergibt den Kompasskurs (compass course). Die Ablenkung liest du mit Vorzeichen von der Kompasstafel ab.

Fehler durch Inklination (dip)

Die Feldlinien des Erdmagnetfelds verlaufen nur am magnetischen Äquator parallel zur Erdoberfläche. Je näher du den magnetischen Polen kommst, desto stärker neigen sie sich gegen die Oberfläche. Diesen Winkel nennt man Inklination (dip angle).

Der Kompass ist so gebaut, dass er sich nur in der Waagerechten dreht: Sein Schwerpunkt liegt unter dem Drehpunkt. Kippt die Kompassrose (card) aus der Waagerechten, wirkt die senkrechte Komponente des Erdfelds auf sie. Das führt zu den Kurvenfehlern. Nahe den magnetischen Polen ist die waagerechte Komponente zu klein: Der Kompass ist dort für die Navigation unbrauchbar.

Kurvenfehler

Wenn du eine Kurve nach dem Kompass fliegst, gilt nach dem FAA-Handbuch:

Kurve nachWas du tust
NordenBeende die Kurve vor dem gewünschten Kurs.
SüdenLass die Kompassanzeige den gewünschten Kurs überschreiten und beende die Kurve dann.

Das Handbuch nennt eine Faustregel: 15° plus die halbe geografische Breite. Bei rund 40° Breite sind das 15° + 20° = 35°: Eine Kurve nach Norden beendest du 35° vor dem Kurs. Bei rund 30° Breite sind das 15° + 15° = 30°: Eine Kurve nach Süden beendest du 30° nach dem Kurs. Beide Fehler werden größer, je näher du den magnetischen Polen kommst.

Beschleunigungsfehler

Auf östlichen und westlichen Kursen verfälschen die Inklination und die Trägheit den Kompass beim Beschleunigen und Verzögern. Beim Beschleunigen zeigt er eine Drehung nach Norden, beim Verzögern eine Drehung nach Süden. Als Merkwort nennt das Handbuch ANDS: Acceleration North, Deceleration South.

Pendeln und steile Kurven

Die Pendelung (oscillation) ist eine Kombination aller genannten Fehler. Sie lässt die Kompassrose gegenüber dem tatsächlichen Kurs schwanken. Beim Abgleich des Kurskreisels nimmst du die mittlere Anzeige zwischen den Ausschlägen. Bis zu etwa 18° Querneigung kann sich die Kompassrose frei neigen. Bei steileren Querneigungen sind die Anzeigen unberechenbar.

Kurskreisel mit dem Kompass abgleichen

Der Kurskreisel (heading indicator) soll den Gebrauch des Magnetkompasses erleichtern. Die Kräfte, die den Kompass schwer lesbar machen, wirken nicht auf ihn. Nach dem FAA-Handbuch stellst du ihn im Geradeausflug mit konstanter Geschwindigkeit nach dem Kompass, damit Kompassfehler das Ergebnis nicht verfälschen.

Das steht im EASA-Lehrplan

Der EASA-Katalog für die PPL(A)-Theorie führt beim Magnetkompass „Turning and acceleration errors“ auf. Außerdem nennt er „Compass deviation“ und die Beziehung zwischen wahrer und magnetischer Richtung. Zur Flugausbildung gehört im Anschluss an den ersten Alleinflug (Übung 14) die Wiederholung von „turns using magnetic compass, compass errors“.

Quellen

  1. 1. FAA Pilot's Handbook of Aeronautical Knowledge (FAA-H-8083-25C, 2023) (Federal Aviation Administration (FAA), Kapitel 8, Magnetic Compass, S. 8-19 bis 8-27, abgerufen am 3. November 2026)
  2. 2. Easy Access Rules for Aircrew (Regulation (EU) No 1178/2011), Revision October 2026 (EASA, AMC1 FCL.210; FCL.215 (Theoriekatalog PPL), AMC1 FCL.210 PPL(A) (Flugausbildung, Übung 14), abgerufen am 3. November 2026)

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