Wirbelschleppen und Staffelung
Stand: Quellen geprüft am 3. November 2026
Kurz gesagt
Jedes Flugzeug zieht, solange es Auftrieb liefert, zwei gegenläufige Wirbel hinter sich her. Sie sind bei schweren, sauberen und langsamen Flugzeugen am stärksten. Die EASA teilt Flugzeuge nach Startmasse in vier Kategorien ein, die Flugverkehrskontrolle staffelt danach in Minuten. Für ankommende VFR-Flüge gilt diese Staffelung nicht, dort warnt die Kontrolle nur.
Wie Wirbelschleppen entstehen
Jedes Flugzeug erzeugt hinter sich Wirbelschleppen, solange es Auftrieb liefert. Es sind zwei gegenläufig drehende Wirbel. Im Englischen heißt das wake turbulence. Nach Angaben der EASA können sie mehrere Minuten hinter dem Flugzeug bestehen bleiben und sinken dabei von selbst ab. Wie sie sich bewegen, hängt stark von Wind und Wetter ab. Die EASA weist darauf hin, dass typischerweise „heavy“ und „super heavy“ genannte Flugzeuge stärkere Wirbel erzeugen.
Das FAA-Handbuch AIM beschreibt die Entstehung genauer: Die Wirbel entstehen vom Rotieren beim Start bis zum Aufsetzen. Ihre Stärke bestimmen Gewicht, Geschwindigkeit, Spannweite und Flügelform. Klappen und andere Hilfen am Flügel verändern die Wirbel, und eine „schmutzige“ Konfiguration lässt sie schneller zerfallen. Am stärksten sind sie, wenn das erzeugende Flugzeug schwer, sauber und langsam ist (englisch heavy, clean, slow). Das steht auch im EASA-Lernzielkatalog für CPL und ATPL.
Laut AIM ist die Gefahr das Rollmoment: Es kann die Rollsteuerwirkung des betroffenen Flugzeugs übersteigen. Piloten von Flugzeugen mit kurzer Spannweite müssen besonders aufmerksam sein.
Wie sich die Wirbel verhalten
Dieser Abschnitt beschreibt Physik und stützt sich auf das FAA-Handbuch AIM (Kapitel 7, Abschnitt 4), nicht auf EASA-Regeln.
- Die Wirbel größerer Flugzeuge sinken mit einigen hundert Fuß pro Minute, werden dabei schwächer und driften mit dem Wind.
- Dicht über dem Boden (innerhalb von 100 bis 200 ft) wandern sie seitlich mit 2 bis 3 kt über Grund.
- Bei leichtem Wind mit 1 bis 5 kt Komponente quer zur Bahn kann der Wirbel auf der Luvseite für einige Zeit in der Aufsetzzone bleiben. Rückenwind kann die Wirbel des vorausfliegenden Flugzeugs nach vorn in die Aufsetzzone schieben.
Die EASA erwartet im Lernzielkatalog für CPL und ATPL, dass du die Windbedingungen beschreiben kannst, die für Wirbelschleppen nahe dem Boden am ungünstigsten sind.
Die vier Kategorien der EASA
Die Kategorie richtet sich nach der höchstzulässigen Startmasse (AMC1 SERA.8012):
| Kategorie | Höchstzulässige Startmasse |
|---|---|
| SUPER (J) | Muster, die in ICAO Doc 8643 so aufgeführt sind |
| HEAVY (H) | 136.000 kg oder mehr |
| MEDIUM (M) | weniger als 136.000 kg, aber mehr als 7.000 kg |
| LIGHT (L) | 7.000 kg oder weniger |
Ein Flugzeug mit 1.100 kg höchstzulässiger Startmasse gehört damit zur Kategorie LIGHT. Luftfahrzeuge der Kategorien HEAVY und SUPER hängen beim ersten Funkkontakt mit einer Flugverkehrsdienststelle „heavy“ oder „super“ direkt an ihr Rufzeichen (SERA.14090).
Staffelung durch die Flugverkehrskontrolle
Die Flugverkehrskontrolle wendet im Anflug und im Abflug Mindestwerte für die Wirbelschleppen-Staffelung an, wenn (SERA.8012):
- ein Luftfahrzeug direkt hinter einem anderen fliegt, in gleicher Höhe oder weniger als 300 m (1.000 ft) darunter,
- beide dieselbe Bahn oder parallele Bahnen mit weniger als 760 m (2.500 ft) Abstand benutzen oder
- ein Luftfahrzeug hinter einem anderen kreuzt, in gleicher Höhe oder weniger als 300 m (1.000 ft) darunter.
Die EASA nennt dafür Mindestzeiten (AMC2 und AMC3 zu ATS.TR.220). Für ein LIGHT-Flugzeug, das einem größeren folgt, gilt:
| Vorausfliegendes Flugzeug | Landung | Start auf derselben Bahn | Start ab Zwischenpunkt der Bahn |
|---|---|---|---|
| SUPER | 4 Minuten | 3 Minuten | 4 Minuten |
| HEAVY | 3 Minuten | 2 Minuten | 3 Minuten |
| MEDIUM | 3 Minuten | 2 Minuten | 3 Minuten |
Die Werte für die Landung gelten nicht für ankommende VFR-Flüge. Die Werte für den Start gelten für dieselbe Bahn und für parallele Bahnen mit weniger als 760 m Abstand.
Was für VFR-Anflüge gilt
Die Staffelung nach SERA.8012(a) gilt nicht für ankommende VFR-Flüge. Stattdessen muss die Flugverkehrskontrolle vor Wirbelschleppen warnen, im Funk mit der Phrase CAUTION WAKE TURBULENCE. Bei einem Sichtanflug hinter einem Luftfahrzeug einer schwereren Kategorie ist laut EASA der verantwortliche Pilot (PIC) dafür zuständig, dass der Abstand ausreicht. Braucht er mehr Abstand, soll er die Flugverkehrskontrolle informieren und seine Anforderung nennen.
Auch in der Luft bist du selbst gefragt: Wer nach den Ausweichregeln einem anderen Luftfahrzeug ausweichen muss, soll nicht darüber, darunter oder davor hindurchfliegen, es sei denn, er passiert gut frei und berücksichtigt die Wirkung der Wirbelschleppen (SERA.3210(c)).
Das verlangt der EASA-Lehrplan
Im Lehrplan für die PPL(A) stehen unter „Betriebliche Verfahren“ drei Punkte zu Wirbelschleppen: Ursache, relevante Parameter sowie Maßnahmen beim Kreuzen von Verkehr, beim Start und bei der Landung. Unter „Grundlagen des Fliegens“ gehört außerdem die Wirbelschleppe hinter einem Flugzeug zum Stoff, mit Ursachen, Verteilung und Dauer. Im Lernzielkatalog für CPL und ATPL nennt die EASA als Maßnahme ausdrücklich die Staffelung.
Quellen
- 1. Easy Access Rules for Standardised European Rules of the Air (SERA), Revision August 2025 (EASA, AMC1 SERA.8012; GM1 to AMC1 SERA.8005(c); Phraseologie „CAUTION WAKE TURBULENCE“, abgerufen am 3. November 2026)
- 2. Commission Implementing Regulation (EU) No 923/2012 (SERA), consolidated version of 01.05.2025 (EUR-Lex, SERA.3210(c); SERA.8012; SERA.14090(c), abgerufen am 3. November 2026)
- 3. Easy Access Rules for ATM/ANS - Provision of Services (Regulation (EU) 2017/373), Revision March 2025 (EASA, ATS.TR.220 mit AMC1 bis AMC3, abgerufen am 3. November 2026)
- 4. Easy Access Rules for Aircrew (Regulation (EU) No 1178/2011), Revision October 2026 (EASA, AMC1 FCL.210; FCL.215, Lehrplan PPL(A), Abschnitte 5.1 und 6; Lernziele 071 02 08 (CPL/ATPL), abgerufen am 3. November 2026)
- 5. EASA publishes safety information on Wake Vortex (press release, 22 June 2017) (EASA, Text der Pressemitteilung, abgerufen am 3. November 2026)
- 6. Aeronautical Information Manual, Basic with Change 1, 2 and 3 (effective 9 July 2026) (Federal Aviation Administration (FAA), Kapitel 7, Abschnitt 4 Wake Turbulence, 7-4-1 bis 7-4-4 und 7-4-9, abgerufen am 3. November 2026)
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