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Vergaservereisung: auch an warmen Tagen möglich

Stand: Quellen geprüft am 3. November 2026

Kurz gesagt

Ein Vergaser kann auch an warmen Tagen vereisen: Nach dem FAA-Handbuch ist es unter 21 °C und über 80 % relativer Luftfeuchte am wahrscheinlichsten, möglich ist es bis 38 °C und ab 50 %. Erstes Zeichen ist bei einem Festpropeller ein Drehzahlabfall, bei einem Verstellpropeller ein Ladedruckabfall. Wende dann die volle Vergaservorwärmung an, wie es dein Flughandbuch beschreibt.

Wie das Eis entsteht

Der Schwimmervergaser (float-type carburettor) ist die häufigste Bauart. Er neigt zum Vereisen. Der Kraftstoff verdampft, und im Venturi, einer Engstelle des Vergasers, sinkt der Luftdruck. Beides lässt die Temperatur im Vergaser stark fallen. Kondensiert Wasserdampf aus der Luft bei einer Vergasertemperatur am oder unter dem Gefrierpunkt, kann sich Eis bilden.

Das Eis sitzt meist an der Drosselklappe und im Venturi. Es behindert den Strom des Gemischs und senkt die Leistung. Bei genug Eis kann der Motor ausfallen. Die Temperatur im Vergaser kann bis zu 35 °C unter der Außentemperatur liegen.

Bei welchem Wetter

Vergaservereisung ist nicht auf kaltes Wetter beschränkt. Sie kann an warmen Tagen auftreten, wenn die Luftfeuchte hoch genug ist, besonders bei wenig Leistung. Die beiden Quellen dieser Seite nennen unterschiedliche Zahlen:

QuelleHöheres RisikoAuch möglich
FAA-Handbuchunter 21 °C und über 80 % relative Luftfeuchtebis 38 °C und ab 50 % relative Luftfeuchte
UK CAA (Safety Sense Leaflet 14)zwischen 0 °C und 10 °C bei hoher relativer Luftfeuchtein Versuchen ernste Vereisung bei Sinkflugleistung über 25 °C und nur 30 % relativer Luftfeuchte

Nimm die Zahlen nicht als Grenzwerte. Das FAA-Handbuch weist darauf hin, dass Vergaservereisung auch unter Bedingungen möglich ist, die seine Grafik nicht zeigt. Anzeichen für hohe Luftfeuchte sind: Temperatur und Taupunkt liegen dicht beieinander, sichtbare Feuchtigkeit am Boden, Regen, Nebel oder eine niedrige Wolkenuntergrenze.

Woran du Vereisung erkennst

Bei einem Festpropeller ist das erste Anzeichen ein Drehzahlabfall, dem raues Laufen folgen kann. Bei einem Verstellpropeller (constant-speed propeller) zeigt sich Vereisung meist durch sinkenden Ladedruck, ohne dass die Drehzahl fällt, denn die Propellersteigung gleicht den Leistungsverlust automatisch aus. Die Leistung geht oft schleichend verloren, bis viel Eis da ist.

Laut UK-CAA-Merkblatt verdeckst du die frühen Anzeichen, wenn du bei einem Festpropeller ein wenig Gas gibst, um die Drehzahl zu halten. Ist ein EGT-Messer eingebaut, zeigt er oft schon vor dem Leistungsabfall einen Abfall der Abgastemperatur.

Was du tust

Vorwärmung einschalten

Die Vergaservorwärmung (carburettor heat) ist eine Anlage, die die Luft vorwärmt, bevor sie in den Vergaser gelangt. Erkennst du Vereisung, schaltest du sofort die volle Vergaservorwärmung ein und lässt sie eingeschaltet, bis du sicher bist, dass alles Eis weg ist. So beschreibt es das FAA-Handbuch; maßgeblich bleibt das Flughandbuch deines Musters. Der Motor kann zunächst rauer laufen, weil das schmelzende Eis durch den Motor geht. Diese Anzeichen können 30 Sekunden bis einige Minuten dauern.

Die Vorwärmung senkt die Leistung leicht, weil warme Luft weniger dicht ist. Verwechsle das nicht mit Vereisung. Mit Eis fällt die Drehzahl bei einem Festpropeller zuerst und steigt dann langsam wieder, während das Eis schmilzt. Ohne Eis fällt sie und bleibt dann konstant.

Wann du sie nicht benutzt

Nach dem FAA-Handbuch benutzt du die Vorwärmung bei Volllast, etwa beim Start, und im normalen Betrieb nicht, außer um Eis zu erkennen oder zu beseitigen. Beim Run-up prüfst du sie.

Sinkflug und wenig Leistung

Vergaservereisung kann in jeder Flugphase auftreten. Besonders gefährlich ist sie bei reduzierter Leistung im Sinkflug, denn Eis kann sich unbemerkt aufbauen, bis wieder Leistung gegeben wird. Bei geschlossener Drosselklappe kühlt der Motor schnell ab und ist anfälliger für Vereisung. Das UK-CAA-Merkblatt empfiehlt deshalb, die Vorwärmung einzuschalten, bevor du die Leistung für den Sinkflug reduzierst. Bei langen Phasen mit reduzierter Leistung soll sie eingeschaltet bleiben, und du gibst regelmäßig Leistung, damit der Motor warm bleibt.

Einspritzmotoren

Einspritzmotoren haben keine Vergaservereisung. Sie können aber Eis am Lufteinlass (impact ice) oder Eis im Kraftstoffsystem bekommen.

Das steht im EASA-Lehrplan

Der EASA-Katalog für die PPL(A)-Theorie führt beim Kolbenmotor „Carburettor: design, operation, degraded modes of operation, indications and warnings“ und „Icing“ auf. In der Flugausbildung gehört die Bedienung der Vergaservorwärmung zu Übung 4 („Effects of controls“).

Quellen

  1. 1. FAA Pilot's Handbook of Aeronautical Knowledge (FAA-H-8083-25C, 2023) (Federal Aviation Administration (FAA), Kapitel 7, Aircraft Systems, S. 7-8 bis 7-12 (Carburetor Systems, Carburetor Icing, Carburetor Heat), abgerufen am 3. November 2026)
  2. 2. Safety Sense Leaflet 14: Piston Engine Icing (June 2023) (UK Civil Aviation Authority (CAA), S. 2 bis 10, abgerufen am 3. November 2026)
  3. 3. Easy Access Rules for Aircrew (Regulation (EU) No 1178/2011), Revision October 2026 (EASA, AMC1 FCL.210; FCL.215 (Theoriekatalog PPL), 8.1 Piston engines; AMC1 FCL.210 PPL(A), Übung 4, abgerufen am 3. November 2026)

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